Jubiläum: 35 Jahre ASB im Land Brandenburg
„Es war eine verrückte Zeit, aber warum nicht?“
Als sich am 29. September 1990 elf neu gegründete Kreis- und Ortsverbände zum ASB-Landesverband Brandenburg e. V. zusammenschlossen, war das vor allem eines: ein Zeichen des Aufbruchs. Die Mauer war gefallen, die Menschen wollten anpacken, gestalten, helfen. „Es war Aufbruchstimmung, wir wollten etwas tun, Lösungen finden, etwas voranbringen“, erinnerte sich die Ministerin und Chefin der Staatskanzlei in Brandenburg, Kathrin Schneider, in ihrem Grußwort anlässlich der Jubiläumsveranstaltung am 11. Oktober im Kongresshotel in Potsdam. Diese Haltung prägte den ASB von Anfang an – und sie tut es bis heute.
Damals wie heute stand der Wunsch im Mittelpunkt, für andere da zu sein. Viele Samariterinnen und Samariter begannen buchstäblich bei null: mit einem alten Krankenwagen, geliehenen Möbeln und viel Improvisationstalent. Doch sie hatten etwas, das stärker war als jedes Material – den festen Willen, Gutes zu bewirken. So wie Helga Meier, die 27 Jahre lang die Geschäfte des ASB-Kreisverbandes Lübben leitete und 1990 die Wiedergründung des ASB vor Ort vorantrieb. „Es war eine verrückte Zeit, aber warum nicht?“, erzählt sie. „Ich wurde gefragt, ob ich es machen will, und Wilhelm Müller, damaliger ASB-Bundesgeschäftsführer, sagte nur: ‚Da kommt doch keiner in den Osten – mach das doch selber!‘ Also hab ich’s gemacht.“
Starker Partner in der Region
Heute, 35 Jahre später, blickt der ASB im Land Brandenburg auf eine beeindruckende Entwicklung zurück. Mehr als 33.000 Mitglieder, rund 4.000 hauptamtliche und über 2.000 ehrenamtliche Mitarbeitende engagieren sich im ganzen Land. Von Essen auf Rädern über Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten bis hin zu Projekten wie den ASB-Wünschewagen oder dem Katastrophenschutz – der ASB ist aus der sozialen Landschaft Brandenburgs nicht mehr wegzudenken.
Was geblieben ist, ist der Geist der Anfangsjahre: dieses innere Feuer, das Menschen antreibt, Verantwortung zu übernehmen. Ob während der Corona-Pandemie oder in der Ukraine-Hilfe – die Samariterinnen und Samariter sind immer dort, wo Hilfe gebraucht wird. Sie stehen für das, was den ASB seit jeher ausmacht: Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung.
Ein besonders bewegender Moment der Jubiläumsfeier war die Ehrung verdienter Mitglieder mit dem Samariter-Ehrenkreuz. Mit dieser Auszeichnung würdigt der ASB jene Menschen, die sich in herausragender Weise für die Gemeinschaft engagieren – und das oft über viele Jahrzehnte hinweg.
Die Geehrten stehen stellvertretend für die ganze Bandbreite des Engagements im Verband: für Menschen, die in der Pflege Verantwortung tragen oder Einrichtungen aufbauen, die sich im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz einsetzen, im Wasserrettungsdienst Leben sichern, in der Jugendarbeit junge Samariterinnen und Samariter begleiten oder in Vorständen und Projekten Zukunft gestalten. Sie alle verbindet eine gemeinsame Haltung – die Überzeugung, dass Helfen nicht nur eine Aufgabe, sondern eine Herzensangelegenheit ist.
Ihre Motivation ist so vielfältig wie ihre Arbeit: die Freude daran, anderen Sicherheit zu geben; der Wunsch, in schwierigen Momenten Mut zu schenken; das Bedürfnis, Gemeinschaft zu stiften; oder einfach das gute Gefühl, gebraucht zu werden. Ob sie Erste Hilfe lehren, Senior:innen betreuen, Kinder fördern oder als Einsatzkräfte Verantwortung übernehmen – sie tun es mit einer Selbstverständlichkeit, die tief beeindruckt.
Das Samariter-Ehrenkreuz – in Bronze, Silber und Gold – ist Ausdruck dieser Wertschätzung. Es steht für gelebte Hilfsbereitschaft, für stille Verlässlichkeit und für die Kraft, im Alltag immer wieder über sich hinauszuwachsen. Ohne Menschen wie sie wäre der ASB nicht das, was er heute ist: eine starke Gemeinschaft, die Herz zeigt – Tag für Tag. Cindy Schönknecht, Geschäftsführerin des ASB-Landesverbandes Brandenburg, nutzte die Gelegenheit und bedankte sich bei allen Samariterinnen und Samaritern, sowohl im Haupt- als auch im Ehrenamt, die mit ihrer Arbeit in den vergangenen 35 Jahren den ASB im Land Brandenburg geprägt haben und ihn in Zukunft gestalten.
Fest der Begegnungen und des Erinnerns
Auch der Vorstandsvorsitzende des ASB-Landesverbandes Brandenburg, Thomas Schmidt, blickte mit Stolz auf diese gemeinsame Wegstrecke zurück: „Ich bin der Landesvorsitzende eines Wohlfahrtsverbandes, der das Herz seiner Mitglieder erreicht – und der immer wieder in der Lage ist, auch als helfende Organisation unserem Land als Erfahrungsträger zur Seite zu stehen.“
Es war ein Fest der Begegnungen, des Erinnerns und des Stolzes – aber auch ein Moment, nach vorn zu schauen. Denn die Herausforderungen bleiben: der demografische Wandel, die Sicherung der Pflege, die Stärkung des Ehrenamts. Der ASB Brandenburg stellt sich ihnen mit der gleichen Tatkraft, die ihn seit 1990 auszeichnet.
ASB-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Martin Fichtmüller brachte diesen Geist in seiner Abschlussrede auf den Punkt: „35 Jahre ASB Brandenburg – das ist gelebte Verantwortung. Aber vor allem: gelebte Zukunft. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung auch in den kommenden Jahrzehnten das Gesicht unseres Sozialstaates prägen!“
Eines wurde an diesem Abend deutlich: Der Geist des Anfangs bleibt lebendig. Denn was 1990 mit ein paar Idealist:innen, einem Krankenwagen und viel Mut begann, ist heute ein starker, solidarischer Verband, der zeigt: Helfen kommt von Herzen – und das Herz des ASB schlägt in Brandenburg besonders kraftvoll.
Text: Nadine Koberstein